Geschichte

Wohngenossenschaft Woba-Basel

In den Jahren 1947 und 1948 war die Wohnungsnot in Basel gross. Damals wie auch heute wieder fehlten hauptsächlich Wohnungen für Miete mit kleinen und mittleren Einkommen. Kanton und Bund bewilligten damals für soziale Wohnbauten Subventionsbeiträge in der Höhe von 30 Prozent an reinen Baukosten.

 

Wohnhäuser an der Schleifenbergstrasse

Im Jahre 1948 wurde die Wohngenossenschaft „Woba-Basel“ gegründet, um an der Schleifenbergstrasse Mehrfamilienhäuser zu erstellen. Der Genossenschaft wurde das schöne Terrain an der Schleifenbergstrasse (im Wettsteinquartier) durch die Stadt Basel zwecks Erstellung von Wohnungen im Baurecht zur Verfügung gestellt. Es ist der Genossenschaft gelungen, schöne und sonnige Wohnungen zu erstellen, umgeben von einer schönen Grünanlage. Mit dem Projekt und der Ausführung wurde A. Gfeller, Architekt, beauftragt. Die Studien ergaben als günstigste Lösung einen Block zu 5 Häuser längs der Schleifenbergstrasse. Zugelassen wurden 1 Sockelgeschoss und 4 Wohngeschosse. Im Sockelgeschoss befindet sich die Eingangshalle sowie Veloraum, Waschküche mit Waschmaschine, 2 Trockenräume, Kellerabteile für die Mieter und 1 Ausgang zum Garten. Pro Wohngeschoss je 2 Wohnungen zu 3 Zimmer. Die Zimmer sind sehr geräumig dimensioniert. Küche geplättelt, ausgerüstet mit Gasapparat. Badzimmer mit WC gemeinsam, jedoch mit direktem Licht. Auf der Gartenseite schöne Loggia. Der Ausbau der Wohnungen ist einfach und zweckmässig, dem sozialen Wohnungsbau entsprechend. Um den Genossenschaftern gerecht zu werden, wurde behördlicherseits die Ausführung der Zentralheizung mit Ölbrennern zugelassen. Die zentrale Kesselanlage befindet sich im Mittelhaus in einem extra geschaffenen Kellergeschoss. Das Dachgeschoss wurde nicht ausgebaut und enthält geräumige Estrichabteile für die Mieter. Für die Kinder ist ein grosser Spielplatz vorhanden, versehen mit Sandkästen, Klettergerüst und etlichen Ruhebänken. Um ein Minimum an Zins zu erreichen, wurde von der Genossenschaft ein Landanteil ausgeschieden und mit einem Garagentrakt mit total 9 Boxen überbaut. Diese Wohnungen können deshalb von der Genossenschaft zu ausserordentlich günstigen Mietzinsen abgegeben werden, und zwar Dreizimmerwohnungen je nach Stockwerk ab 116. – Franken bis 120. – Franken pro Monat. Um den Baublock wurde eine schöne Grünanlage mit aller Sorgfalt geschaffen und durch Anlegen von Spielplätzen mit Sandkisten und Turngeräten ergänzt.

Wohnungen an der Wildensteinerstrasse
Der Vorstand der Wohngenossenschaft „Woba-Basel“ beschloss im Frühjahr 1949, nachdem bereits ein anderes Bauvorhaben realisiert werden sollte, auf dem Grundstück Ecke Lehenmatt-/Wildensteinerstrasse ein Wohnhaus mit sozialem Charakter zu erstellen. Die Architekten Baumgartner und Buser wurden beauftragt, die Pläne für das Vorhaben auszuarbeiten. Das Terrain, welches Eigentum der Einwohnergemeinde Basel-Stadt ist und in Baurecht abgegeben wurde, bot einige Schwierigkeiten. Vor Jahrzehnten befand sich auf dem Areal, begrenzt durch die heutige Baldegger- und Lehenmattstrasse, ein grosser Weiher. In den späteren Jahren wurde dieser Weiher abgeleitet, und auf Dämmen erstellte man die Verbindungsstrassen zwischen Lehenmatt- und Baldeggerstrasse. Damit verblieb das Niveau der Bauparzellen bis 2.50 m unter der Strasse. Zudem noch war der gute Baugrund erst in einer Tiefe von wiederum 2.50 m zu finden. Trotzdem liess sich noch nach reiflichem Überlegen eine Lösung finden, die nach Fertigstellung des Baues allseits befriedigen konnte. Die bereits bestehende Bebauung parallel zu den Verbindungsstrassen mit Nord-Süd-Orientierung wurde nicht weitergeführt, sondern eine Querstellung mit Richtung Ost-West. Damit konnte eine gute Besonnung der Wohnräume und eine schöne Aussicht auf das westlich gegenüberliegende, bewaldete Gelände erreicht werden. In östlicher Richtung bietet sich ebenfalls ein freier Ausblick. Bei der Planung musste die beschränkte Länge eingehalten werden. Für zwei Doppelwohnhäuser reichte der Platz nicht aus, und ein sogenannter Dreispänner war abzulehnen, weil dabei die mittlere Wohnung ohne Querlüftung bleibt. So ergab sich deshalb die Lösung mit zwei Treppenhäusern, wobei das eine Treppenhaus zwei Wohnungen, das andere eine Wohnung pro Stockwerk bedient. Der Zugang zu den Treppenhäusern erfolgt im Untergeschoss von der Wildensteinerstrasse aus über eine schwach geneigte Rampe durch eine geräumige Eingangshalle. Das Haus weist vier Wohngeschosse auf und enthält pro Stockwerk eine Zwei- und zwei Dreizimmer-Wohnungen, letztere mit einer grossen Wohnküche. Zusammen ergeben sich zwölf Wohnungen. Eine Zentralheizung mit Ölfeuerung beheizt das Haus. Für alle Mieter ist eine Waschküche vorhanden. Sie enthält eine elektrisch betriebene und mit Gas beheizte Waschmaschine, eine Zentrifuge und einen Waschtrog. Ferner stehen zwei Trockenräume sowie ein Veloraum zur Verfügung. Zu jedem Mietobjekt gehören ein Keller und ein grosser Estrich. Durch günstigen Einkauf war es möglich, den Mietern in den Küchen Chromstahltröge einzubauen. Für die Warmwasserbereitung zu Küche und Bad wurden Gasautomaten installiert. Die Kochherde sind am Gas angeschlossen. Jede Wohnung hat eine grosse, eingebaute Terrasse, zugänglich von Küche und Schlafzimmer bei den Dreizimmerwohnungen, bei den Zweizimmerwohnungen nur von der Küche aus. Wandschränke sind in den Dreizimmerwohnungen auf den Terrassen vorhanden, bei den Zweizimmerwohnungen im Wohnungsvorplatz. Die Badezimmer enthalten eingebaute Wanne, Klosett und Toilette. Der östliche Teil des Grundstückes konnte zur Überbauung mit Autoboxen ausgenützt werden. Durch die bereits bestehende Höhendifferenz zwischen Hof und Strasse ergab sich die Möglichkeit, ein zweigeschossiges Boxengebäude zu erstellen, ohne dass dasselbe das Aussehen der Gesamtlage stören würde. Das Boxengebäude enthält neun Garagen. Mit dieser zusätzlichen Einnahme lassen sich die Mietzinse beträchtlich senken. Bund und Kanton gewährten einen Subventionsbeitrag in der Höhe von 30 Prozent an die reinen Baukosten des Wohnhauses. Nach erfolgter Abrechnung und mit Einbezug des Überschusses der Garagenmieten ergaben sich folgende Mietzinse: 

Für die Zweizimmerwohnungen CHF 100 Franken monatlich 

Für die Dreizimmerwohnungen mit Wohnküche CHF 120 Franken monatlich 

Mit dem Bau des Wohnhauses wurde im November 1949 begonnen. Im Oktober 1950 konnten die Mieter ihr neues Heim beziehen. Es war für alle Genossenschafter, die aus den vielen Anmeldungen erwählt wurden, ein freudiger Tag. Es darf hier erwähnt werden, dass alle, die zum Gelingen der gestellten Aufgabe beigetragen haben, mit grosser Hingabe am Werke waren.

Quelle Wohnen, Band 26 (1951) Autor E.M. (ETH Zürich)